Find-it Banner
FIND-IT, die ultimative Dateisuchmaschine mit 'Vorliebe' für komplexe Volltextsuche ! Auch normale Dateisuche nach 'Namen', Größe, Datum, erledigt Find-it schneller und komfortabler, als die Windows-eigene Suchfunktion.

Functional Food für - für wen und wofür? Brot, das den Cholesterinspiegel senkt, Joghurt, der schlank macht - sogenanntes Functional Food gilt in der Nahrungsmittelindustrie als Markt der Zukunft. Was sollen wir in Zukunft essen und ist dies wirklich gesund? Dieser Frage bin ich in einer 15-Minütigen Mini-Doku für markt XL nachgegangen. TEXT

Die folgenden Geschichten sind nun schon ein paar Jahre alt, damals war ich der erste, der über Acrylamid im deutschen Fernsehen berichtete. Leider ist das Thema aber immer noch nicht 'vom Tisch:

Acrylamid - eine unterschätzte Gefahr

Acrylamid gibt es in Pommes und anderen frittierten Produkten, in Chips, Cerealien und auch in Käckebrot, in deutlich geringerem Maß auch in Brot und Bratkartoffeln. Es entsteht. wenn stärke- und zuckerhaltige Produkte über 170 Grad erhitzt werden. Allerdings bedeutet das eben nicht, daß wir ja schon immer Acrylamid zu uns nehmen. Heutzutage werden viel mehr Produkte viel heißer erhitzt, als in früheren Zeiten. Selbst Brot wird heute sehr viel heißer gebacken als in historischer Zeit. Selbst heute wird Brot beim Backen nur an der Kuste derart heiß, und bildet im Verhältnis zur Masse entsprechend wenig Acrylamid. Pommes Chips und Cerealien dagegen werden 'durch und durch' erhitzt, schön cross eben. Insofern ist die Aufnahme von Acrylamid in den letzten Jahren mit Sicherheit um ein Vielfaches gestiegen - und es ist unbestritten der Stoff mit dem höchsten Gefährdungspotential, der in Lebenmitteln bisher gefunden wurde.

Fast-Food-Restaurant
Fritten, nah!

Ich hatte die Geschichte in den Tickermeldungen 'frisch aus Schweden' entdeckt. Sie kam Anfang April 2002 - und wurde von den meisten wohl als Aprilscherz und 'Ente' beiseite gelegt. Ich konnte für Dschungel die schwedischen Wissenschaftler besuchen, mich intensiv durch die Expertenriege der deutschen Lebensmittellabore und Behörden telefonieren.... und am Ende war eben klar: an der Geschichte ist doch mehr dran: Es folgte die Erstveröffentlichung PDF in ARD Morgenmagazin und Dschungel - noch am Tag der Sendung haben die zuständige Bundesbehörden eine Internet-Seite zu Acrylamid ins Netz gestellt, deren Aussagen sich weitgehend mit meinen Recherche-ergebnissen deckten

Noch am gleichen Tag meldete sich der Kollege Jörg Heimbrecht bei mir, der parallel und ohne gegenseitiges Wissen für eine anstehende Plusminus-Sendung konkrete Laboruntersuchungen deutscher Nahrungsmittel in Auftrag gegeben hatte. So wurde die Geschichte in folgenden Ausgaben des Morgenmagazines, von Plusminus und 'markt' in kurzer Folge mehrfach weiter entwickelt.

Es hat Spaß gemacht, zu sehen, wie die zuständige deutsche Behörde unter dem Eindruck meiner Recherche ihre Bewertung des Problems doch sehr deutlich änderte. Schade fand ich dann nur, daß in dem ganzen Trubel , die Erstveröffentlichung in Dschungel übersehen und die geistige Urheberschaft wahlweise dem ARD Morgenmagzain oder Plusminus zugeschrieben wurde.

Chips, vor dem Fernseher
Ich als Studiogast im MOMA

Berichte, nach denen das Acrylamid-Problem in Wahrheit gar keines sei, entbehren übrigens jeder Grundlage. Richtig ist: von einzelnen Wissenschaftlern, wurde das Argument ins Spiel gebracht, es könne bei Acrylamid (anders als bei anderen krebsauslösenden Stoffen) einen Schwellenwert geben, unterhalb dem das Gift nicht wirke. Merkwürdig ist daran nur, daß Acrylamid als Industriestoff schon seit jahrzehnten auch toxikologisch untersucht wird, die Theorie vom Schwellenwert aber just wenige Wochen nach Aufkommen des aktuellen Problemes plötzlich in die Welt gesetzt worden. Richtig ist: manch ein Bericht, der mit jeder Menge Totenköpfe garniert war, hat überzogen. (Da konnte ich mich in einem Fall auch selbst nicht gegen meinen Co-Autoren durchsetzen). Richtig ist aber auch: Gerade für Kinder und Jugendliche, die regelmäßig Pommes und Chips konsumieren gibt es ein echts Risiko. Entscheidend ist: Der Sicherheitsabstand zwischen den Mengen Acrylamid, die im Tierversuch Krebs auslösen und den Mengen, die solche Risikogruppen zu sich nehmen ist geringer als bei jedem anderen Stoff in Lebensmitteln, der bislang für Schlagzeilen sorgte. Und vor allem: bei fast allen Produkten kann man durch veränderte Rezeptur den Gehalt an Acrylamid zumindest auf etwa ein zehntel heutiger Spitzenwerte senken.

Sechs Monate nach der Erstveröffentlichung habe ich übrigens mal nachgehakt, was Politik und Industrie in der Angelegenheit unternommen haben: Die Ausbeute war erschreckend gering: Im Vergleich zu anderen, sehr viel kleineren Problemen, ist man überraschend untätig geblieben. (DSCHUNGEL: NACHGEHAKT)pdf Besonders dreist fand ich: Obwohl der Acrylamidgehalt ähnlicher Produkte sehr unterschiedlich sein kann, bekommt der Konsument bis heute keinen Hinweis an die Hand, welchers Produkt nun wirklich besonders belastet ist. Selbst die staatlicherseits vorhandenen Messergebnisse wurden monatelang nicht veröffentlicht. Für den Dschungel-Beitrag berief ich mich auf das Informationsgesetz des Landes NRW, mit dem sich das Land eigentlich verpflichtet hat, jede bekannte Tatsache spätestens auf Nachfrage herauszugeben- und bekam die Ergebnisse. Am Tag nach der Dschungel-Sendung stellte das Land NRW die Daten dann selbst ins Netz. Obwohl die Acrylamidbelastung der meisten Lebensmittel kaum nachgelassen hat, wurde die Veröffentlichung aber wieder aus dem Netz genommen. Dafür hat aber FOODWatch eine doch recht umfangreiche Liste ins Netz gestellt. (Messwerte in NRW)

Valid HTML 4.01 Transitional