Neben Beruf, PC und Familie habe ich noch ein Hobby: Modelleisenbahn - im noch immer eher seltenen Maßstab TT. Zur Zeit baue ich den fiktiven Kopfbahnhof einer im bergischen liegenden Nebenbahn. Der Anschluß an die zweigleisige Hauptstrecke ist in den kommenden Jahren zu erwarten.

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Bahnhofseinfahrt

Was ist TT ?

In meinen Augen: schlicht die 'optimale' Spurgröße für Modellbahn: Genau in der Mitte zwischen dem kleineren N und dem größeren HO angesiedelt, sind die Modelle noch groß genug um auch an einem fahrenden Zug in der Landschaft viele Details zu erkennen - und gleichzeitig klein genug, um auch auf einer Heimanlage realistische(re) Landschaften nachbilden zu können. Nach einer zunächst wechselvollen 'Jugend' erlebt TT zur Zeit eine bislang für unmöglich gehaltene Blüte.

Ein kleiner Rückblick aus mittlerweile 6 Jahrzehnten TT-Bahn.

Mitte der vierziger Jahre wurde in den USA die damals kleinste Modellbahn-Baugröße (1:120) entwickelt und "Table Top" genannt, weil sie so wenig Platz braucht, daß sie auf einen Tisch passt. Nach dem Krieg wurden TT-Modellbahnen in Westdeutschland von ROKAL populär gemacht. 1968, lagen ROKAL - Packungen noch in den meisten Spielzeug- geschäften und unter unserem Weihnachtsbaum. Auch noch in späteren Jahren konnte meine kleinen Modelle in Punkto Fahreigenschaften und Vorbildtreue selbst mit MÄRKLIN problemlos mithalten, wie Schulkameraden nicht ganz neidlos bemerkten. Allerdings gab es wenig Zubehör und plötzlich auch kein ROKAL mehr. Ich war entsetzt ! Als Kind hatte ich keine Ahnung, dass inzwischen mit Spur N eine noch kleinere Spurweite der Spur TT zunehmend erfolgreicher Konkurrenz machte. Ich wußte nicht, daß bei ROKAL die TT-Produktion ein kleiner Nebenzweig eines traditionsreichen Armaturen- und Vergaserfabrikanten war. Ich spürte nur die Konsequenzen, als kurz nach dem Tod des Firmengründers die Vergaser- und Armaturenproduktion in wirtschaftliche Probleme geriet, das Werk an einen französischen Hersteller verkauft und die Modellbahn-Produktion eingestellt wurde. Ich wusste nicht, dass der der aufstrebende Modellbahn - Hersteller RÖWA alle Formen kaufte aber kurz vor Beginn der Produktion Pleite ging und selbst von ROCO aufgekauft wurde, wo die alten Formen scheinbar sehr schnell in der Schrottpresse landeten Ich wußte nichts von Zeuke in der damaligen DDR. Der wurde nach der Verstaatlichung als BTTB zum wohl größten Modellbahnhersteller des Ostblocks. Ich wusste damals auch nichts von Kleinserien- Herstellern, die weitermachten. Ich stieg um auf das größere HO, in der späteren Jugend verstaubte die Anlage, wurde abgerissen. Auf Flohmärkten weckten immer wieder alte TT-Modelle wehmütige Erinnerung.

Robert Kahrmann und Ludwig Erhardt

Mit der Wende wurde alles anders. Im Osten gab es ja TT und siehe da: es geschah eins der wenigen Wirtschaftswunder der Wende: Die Produktion von TT Bahnen scheint heute - von Berlin nach Sebnitz verlegt, unter dem Namen TILLIG wieder bestens zu florieren, selbst im Westen gründete sich mit JATT ein neuer TT-Fabrikant, der in erstaunlich kurzer Zeit viele Lokomotivmodelle auf den Markt brachte, alte Modellbahnhersteller steigen neu in TT ein. (ROCO/ BRAWA/Gützold ) Jede Menge Kleinserien - Hersteller brachten eine Vielzahl von Modellen auf den Markt und mittlerweile existiert auch ein größer werdendes Angebot an Zubehör, Größer als es selbst in früheren Blütezeiten jemals war.

Zeit der Konsolidierung Das Jahr 2000 brachte in mehrfacher Hinsicht eine erneute Wende. Jatt wurde von Tillig gekauft, der wenig später auch für die TT-Modelle von Roco den Vertrieb übernahm. Tillig war nun endgültig zum einen, einzigen Systemanbieter für TT geworden. Roco holte sich die Rechte an seinen Modellen ein paar Jahre später zwar zurück und brachte selbst noch einige Varianten in den Handel, spätestens seit dem Beinahe-Konkurs der Österreicher dementierten sie jahrelang jedoch jegliche weiteren Pläne in der Spur der Mitte. Gleichzeitig kündigen erst Brawa, dann Gützold an, daß sie ihr mit je einer Lokomotive gestartetes TT-Programm nicht weiter ausbauen wollen. Die Nachfrage wäre doch zu klein gewesen. Und bei genauerem Hinsehen zeigt sich, daß insbesondere bei BRAWA schon die Vorbildauswahl problematisch war. Die E 95 war ein wunderschönes Modell, keine Frage, doch vom Vorbild her schon eher ein Exot und nur auf wenigen Anlagen 'stilecht' einsetzbar. Und das zu einer Zeit in der eine ganze Reihe von Neuerscheinungen lang bedauerte Lücken schlossen.

TT - Die Spur der 'Macher' . was soll das nun heißen? Nun ja, wenn die Spur TT die langen Jahre der Dürre bis zur Renaissance überlebt hat, dann ist das zu einem guten Teil auch ein Verdienst treuer Fans, die immer auch vieles in die eigenen Hände genommen haben. Und da ist nicht nur der Eigenbau von Gebäudemodellen gemeint. Nach dem Ende von Rokal hatte sich der AKTT gegründet, ein reger Verein mit eigener monatlicher Zeitschrift (dem TT-Kurier) - Und immer wieder hatten auch TT-Fans begonnen selbst als Kleinserienhersteller aktiv zu werden. Nach der Wende gab es mit Tillig dann wieder einen Großserienhersteller - und mit den früheren BTTB-Bahnern auch eine Sprunghaft gestiegene Nachfrage - allerdings ein gegenüber N oder gar HO zunächst deutlich eingeschränktes Angebot: Doch gerade aus dieser Beschränkung heraus wurde die TT-Szene aktiv. Da war zunächst Peter Horn, kurz PEHO, der sich auf Produkte rund um die Kupplung spezialisiert hat. Kurzkupplungskulisse, Zubehör um alte TT-Fahrzeuge damit auszurüsten - und ähnliches wird nun seit Jahren per online-Vertrieb von ihm geliefert. Viele TT-Fans begannen sich über das Internet zu vernetzen, vor allem über das TT-Board, das nun auch schon fast sieben Jahre online ist. Dann kam 'Siggi', den Usern des TT-Board gut bekannt, plötzlich mit der Ankündigung, er würde selbst eine Lokomotive in Großserie auf den Markt bringen. Er ließ sie bei Tillig konstruieren und herstellen und begann 2004 mit dem Vertrieb. Ab 2005 wurde das Modell in das reguläre Tillig-Programm übernommen. Das brachte DB-Freunde auf ähnliche Gedanken. So ergab es sich, daß ein anderer User des TT-Board (zusammen mit dem Händler 'Modist' eine DB-V100 auf Kiel gelegt hat. Zwar nicht made by Tillig (sonst kommen die ja gar nicht mehr zu eigenen Projekten) sondern bei anderen Firmen hergestellt. Aber auch dort in Kunststoffspritzguss und bester Großserienqualität. Und so schließen sich die noch verbliebenen Lücken der DB-Epoche III

Das fast unglaubliche Jahr 2007 Eigentlich begann es schon Im Jahr 2006. Decoderhersteller KÜHN stieg (ähnlich wie vorher Lenz) in den Fahrzeugbau ein und stellte als erste Neuheit neben dem DR 'Holzroller', die E10 und E40 der DB in allerfeinster Großserienqualität auf die Schiene. Ende 2006 folgte der 'Hercules' - Der praktisch zeitgleich auch von PIKO als Neuheit vorgestellt wurde. Die Sonneberger schoben im Sommer 2007 gleich noch den ICE3 nach. Mittlerweile folgten noch viele weitere Lokomotiven und einzelne Waggons. Eine kleine Firma namens KRES, die 2006 schon den Schienenbus der DR in vorgestellt hatten, will noch Ende 2007 den VT 18 in den Handel bringen. Zur Leipziger Messe im Herbst 2007 zündete schließlich eine ganze Reihe von Herstellern einen Neuheitenregen, mit dem die Spur TT schlagartig mit den etablierten Spurweiten gleich zieht: Kühn TT wird künftig auch Waggons produzieren: die Handmuster versprechen erstklassige Qualität. Zum Einstieg gibt es nicht nur DR-Doppelstockwagen, sondern auch die Silberlinge der DB. MEHANO steigt mit der modernen CLASS 66 und dem Blue Tiger neu in TT ein. ROCO setzt ebenfalls wieder auf TT, nimmt die BR80 wieder ins Programm und brachte eine neue BR44 in die Läden - zusammen mit einer überraschend erschienenen BR 120 und der Ankündigung einer BR 18. HORNBY, der vor Jahren Arnold gekauft hatte und nun dessen N-Programm neu auflegt, wird auch die TT-Kö in verbesserter Qualität neu in den Handel bringen... Damit sind neben TILLIG nun zwei weitere traditionelle Hersteller und mindestens zwei qualitativ sehr hochwertig arbeitende 'Neue' in den TT-Markt eingetreten. Das halbe Dutzend bislang sehr kreativer Kleinserienersteller hat ebenfalls neue Modelle angekündigt - so ist der Zeitpunkt absehbar, an dem das Angebot in TT abwechslungsreicher geworden ist, als in N - Genaugenommen gibt es derzeit für TT eindeutig mehr Neukonstruktionen als für die kleinere Spur.


Vom Tunnelausgang  in Richtun Viehverladung / Bahnhofseinfahrt

Besonders erfreulich: Inzwischen gibt es auch eine beachtliche Auswahl an Gleissystemen. Tillig bietet ein Modellgleis an, dass in vielen Belangen dem von HO-Bahner hoch gehandelten 'Elite-Gleis' entspricht. Dazu gesellt sich ein Bettungsgleis mit identischer Geometrie. 'TT-Filigran' produziert ein Gleis, das in seiner Vorbildtreue und 'filigranität' in der gesamten Modellbahnszene einmalig sein dürfte: Vorbildgerechte Weichengeometrie, wahlweise Kusntstoff- oder Echtholzschwellen - und das sogar noch verblüffend preiswert. 'Kühn' bringt 2010 ein Gleissystem auf den Markt, das sich mit besonders einfacher Geometrie vor allem an Einsteiger richtet. Da bleibt praktisch kein Wunsch mehr offen. Noch vor wenigen Jahren wärre das undenkbar gewesen:

Es soll der Modellbahnbranche im Moment ja nicht wirklich gut gehen. Aber TT scheint sich tatsächlich als einzige Spurweite zu entpuppen, in der noch Wachstum möglich ist. Und auch wenn die Zeit, in der vor allem noch Eigeninitiative gefragt war, damit allmählich wohl doch zu Ende geht: Schön war's und wir Fan's können uns nun endgültig dem Anlagenbau widmen :-)

...das Angebot wurde größer, vielfältiger und qualitativ hochwertiger als jemals zuvor. Inzwischen hat man mindestens so viel Auswahl, wie in N - Auch wenn gerade bei Epochen vor der deutschen Einheit gerade für DB-Fans noch manche Lücke besteht - auch wenn die Zahl der KFZ- und Gebäude-Modelle noch kleiner ist: sogar beim Zubehör geht es voran: Sowohl bei Oberleitung wie auch bei Signalen bleibt dank Vissmann und Sommerfeld kaum ein Wunsch offen, wobei es für verschiedene Sonderwünsche auch viele Produkte von Kleinserienherstellern gibt. Die Bevölkerung der Anlagen kann dank Preiser und Merten auch schon sehr vielfältig gestaltet werden. Allenfalls bei westdeutschen Automodellen sieht es noch mager aus. Dafür bietet bei den Gebäuden insbesondere Auhagen sehr schöne Neuentwicklungen. Aber auch Faller und Andere entdecken, daß viele angebliche HO-Modelle der letzten Jahrzehnte ohnehin viel eher TT entsprachen. Das ist auch der Grund warum man mit offenem Auge und Kit-Bashing ohnehin fast grenzenlose Möglichkeiten hat. Und gerade bei den Kleinserienherstellern, die für etwas mehr Geld in Messing arbeiten, erfreut sich tt-zunehmender Beliebtheit. Auf meinen Anlagenfotos findet man manch unglaublich filigranes Geländer, Tor oder auch Biergartenstühle und manch ein schon vor zehn Jahren aus vermeintlichen HO-Teilen gebautes Haus.

Wie es weitergeht? Manch ein TT-Fan sieht die Entwicklung auch mit zwiespältigen Gefühlen: In den Jahren nach der 'Wende' war TT eher billig zu haben - heutige Neuerscheinungen liegen preislich doch im oberen Bereich des in der Branche üblichen: Ich trage es mit Fassung: dafür bekommt man inzwischen absolut konkurrenzfähige Ware, die allein schon wegen kleinerer Stückzahlen eben zwangsläufig etwas teurer ist. (Ausnahmen bestätigen die Regel, mit Piko und auch Kühn zeigen mittlerweile zwei Hersteller ja doch sehr eindrucksvoll wie Loks in der 'Hobby-Preisklasse' aussehen können - wobei vor allem die Modelle von Kühn ja doch eher in der Profi-Liga spielt). In der derzeitigen Wirtschaftsflaute und mit veränderten Freizeitgewohnheiten, hat die gesamte Modellbahnbranche harte Zeiten zu überstehen, Von Arnold über Lima bis Trix und LGB sind viele Traditionshersteller verschwunden oder aufgekauft, selbst große Markenhersteller straffen Programm und Belegschaft - da ist es schon beachtlich, wie sich die vergleichsweise kleinen TT-Produzenten auf dem Markt behaupten - und sich in den letzten Jahren sogar ein rapides Wachstum abzeichnet. Im Moment überwindet der TT-Markt wohl gerade eine letzte große Hürde: Noch immer stammt die Mehrzahl der TT-Fans aus den neuen Ländern.

Schwätzers V60

Chancen im Westen ?

Kaum ein Händler im Westen ist bereit, sich noch ein zusätzliches Sortiment einer hier bislang eher unbedeutenden Spur in die Regale zu legen. Hier hört man oft das Argument, daß für DB-Fahrer zu viele wichtige Vorbilder fehlen würden. Mit dem Jahr 2007 ist das für die moderne Bahn der Epochen 4 und 5 wohl definitiv vorbei. Oft hört man immer noch, daß ein DB-Betrieb in der allseits beliebten Epoche III-IV mangels Modellen überhaupt nicht nachzubilden sei. Wie meine Anlage beweist, stimmt das schon lange nicht mehr - und seit dem Jahr 2007 noch viel weniger. Was da so alles für DB-Schienen der Epoche III vorhanden ist, habe ich auf einer eigenen Seite gesammelt. (Hier)


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