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Kurzkupplung für a l l e Fahrzeuge !

Eine Kurzkupplung ist ja gut und schön - was aber macht man mit all den Fahrzeugen aus früherer Produktion, die anstelle einer Kurzkupplungskulisse und NEM-Schacht noch alte Schlitzaufnahmen haben? Noch schlimmer: Was macht man mit Drehgestell-Lokomotiven, bei denen zwar ein NEM-Schacht vorhanden ist, der aber einfach am Drehgestell eingeclipst wurde? Wenn sich dann in einer engen Kurve - oder gar im S einer Weichenstraße - das Drehgestell naturgemäß dreht, wird die Kupplung zur Seite ausgeschwenkt. Und weil eine Kurzkupplung zum Ansteuern der Kulisse steif sein muß, drückt das Ausschwenken des Drehgestelles dann den angekuppelten Waggon aus dem Gleis.

Für all diese Probleme gibt es - nach jahrelanger Tüftelei verschiedener TT-Begeisterter - vergleichsweise einfach zu bastelnde Lösungen. Ein manueller Umbau der Fahrzeuge ist mit wenig bastlerischem Geschick machbar. Als Werkzeug benötigt man allerdings meist eine kleine Handfräse (einen Dremel oder Proxxon), eine Pinzette und etwas Klebstoff - sowie ein paar Pfennigsartikel aus dem Zubehörhandel (Cent-Artikel klingt irgendwie doch merkwürdig) .

1. Schlitzaufnahme: Die Qual der Wahl: Adapter oder Kulisse.

Bild: Arnold-Adapter

Ein kleiner Schlitz in der Pufferbohle - so ist seit Urzeiten bei 90 Prozent aller TT-Fahrzeuge die Kupplungsbefestigung gestaltet. Die erste vergügbare Lösung zum Umbau auf NEM-Schacht war der Arnold-Adapter !. Er stammt (wie der Name vermuten lässt) von eben jenem traditionsreichen N-Hersteller, der kurz vor seinem Konkurs noch eine einzige TT-Lok auf den Markt brachte - und für die dort verwendete N-Kupplung einen Adapter an das bestehende Rollmaterial entwickelte. Er passt in die normale Schlitzaufnahmen praktisch aller Waggons. Mittlerweile ist fast nur noch von akademischem Interesse - oder für diejenigen, die weiterhin mit anderen für N-Entwickelten Kupplungen fahren wollen. Denn Seit 2006 hat Tillig nun auch eine Variante der neuen Hakenkupplung, welche direkt in den alten 'Schlitz' gesteckt werden kann. Damit allerdings ergibt sich (wegen fehlender Kulisse) immernoch ein überhöhte Pufferabstand. Wer den vermeiden will muss weiterhin eine Kulisse nachrüsten:


PeHo Kulisse

Die PeHo-Kulisse:

Es war einmal ein TT-Fan, der empfand das Kupplungsproblem auch als 'letztes Manko von TT' und sah vor allem die Nachrüstbarkeit von modernen Kurzkupplungen an alten Waggons als Problem. Ein Adapter war ihm nicht gut genug. Und die von Tillig entwickelte, heute in Serie gebaute Kulisse ist eben doch vor allem für Drehgestellwaggons zu groß und als Ersatzteil im Einzelvertrieb auch ziemlich teuer. Davon abgesehen hat die heutige Standard-Kulisse doch auch einige konstruktive Probleme, (die schon im ersten Teil des Textes geschildert wurden). Der besagte TT-Begeisterte wollte etwas besseres: stabiler und mit weniger 'Spiel', als Tilligs Standard-Kulisse, kleiner und flexibler einsetzbar als z.B. die Kulisse von Symoba. Auf einfache Weise in der Höhe justierbar..... das war das Pflichtenheft: Er konstruierte solch eine Kulisse, nahm eine nicht unerhebliche Menge Geld in die Hand und ließ seine Konstruktion in Kunststoffspritzguss herstellen, Nun montiert und vertreibt er die kleine Kulisse zum durchaus attraktiven Preis von nur 1,95 Euro pro Stück. (Link ) Anekdote am Rand: Bei der Suche nach einem Hersteller für die Kunststoffspritzlinge wurde PeHo mit Tillig handelseinig. Und die Geschichte hat sogar ein Happy-End: Die PeHo Kulisse lässt sich tatsächlich mit vergleichsweise wenig Arbeit in praktisch alle Waggons einbauen. Selbst in manchen Lokomotiven ist dafür genug Platz. Sie lässt sich wirklich sehr einfach auf saubere Höhenlage justieren - und ist dazu auch noch vergleichsweise preiswert.

2. Das Platz- und Knick-Problem! Und seine Lösung, die für alle Problemfälle taugt:

Als in den frühen neunziger Jahren aus BTTB Tillig geworden war, stand das Kupplungsproblem schon früh auf der Tagesordnung. Es wurde entschieden, die bestehende Standardkupplung trotz ihrer Schwächen weiter zu verwenden. Es wurde aber gleichzeitig entschieden, jedes neue oder überarbeitete Produkt mit einer Kulisse und NEM-Schacht auszustatten, so daß langfristig eine Umstellung auf Kurzkupplung möglich werden würde. Seitdem wird auch die TT-Standardkupplung mit einem NEM-Stecker ausgeliefert. Da der TT-Schacht mit N kompatibel gewählt wurde, bekamen echte Freaks die Möglichkeit, eine beliebige N-Kurzkupplung zu benutzen. Anfangs empfahl Tillig sogar ausdrücklich die Profi-Kupplung von Fleischmann. Doch das ergab Probleme, die schon in Kapitel 1 dieses Textes geschildert wurden. Und: bei der Umstellung auf NEM-Schächte passierte bei Tillig offenbar ein kleiner Denkfehler, der später leider viel Kopfzerbrechen bereite:.

Es gab Modelle, bei denen für eine Kulisse doch heftige konstruktive Änderungen nötig gewesen wären. Dies galt insbesondere für Drehgestell-Lokomotiven. Die Lösung schien einfach und funktionierte mit den Standard-Kupplungen auch: der NEM-Schacht wurde einfach fest in die Drehgestelle eingeklipst. Doch dann brachte Tillig seine starre Deichseln auf den Mark- als Kurzkupplungs-Provisorium für fest gekuppelte Ganzzüge - und wenig später auch die manuell 'steckbaren', steifen, Kurzkupplungen. Manch ein Modellbahner kam auf die Idee, damit auch die Waggons an eine Drehgestell-Lokomotive zu kuppeln: Und da bemerkte man: Wenn in einer Kurve das Drehgestell ausschwenkt, dann dreht es den ganzen Kupplungskopf mit zur Seite - und wenn die Kupplung wirklich weitgehend starr ist, wenn die beiden Kupplungsköpfe untereinander nicht abknicken können, dann drückt das Drehgestell in engen Kurven oder Gegenbögen den starr angehängten Waggon aus dem Gleis

Ohne Knick geht es nicht !

Da eine Kurzkupplung aber nun mal weitgehend starr sein muß, um die für kurzen Pufferabstand nötigen Kulissen ansteuern zu können - sind auch viele neu auf den Markt gebrachte Lokomotiven leider nicht kurzkupplungsfähig. Ein Besuch bei HO- und N- Bahnern brachte Bestätigung. Auch da ist noch lange nicht jede Lokomotive mit einer echten Kulisse ausgestattet. Auch dort ist manch NEM-Aufnahme einfach in das Drehgestell integriert - doch ist die NEM-Aufnahme immer seitlich federnd gelagert. Die Hersteller wissen schon, warum.

Doch selbst neue Tillig-Konstruktionen haben den NEM-Schacht teilweise fest an den Drehgestellen sitzen. Das ergab lange Gesichter: Doch dann kam eine Lösung. Und zwar mit der bereits beschriebenen PeHo-Kulisse: Genauer: mit dem für sie konstruierten NEM-Schacht. Denn der wird an der Kulisse auf einen Stift aufgesteckt, enthält also ein Loch. Wenn man dort eine etwas dünnere Achse hindurchsteckt, lässt sich der Peho-NEM-Schacht sehr leicht drehbar lagern. Man muß an den Loks nur eine Achse befestigen, dahinter wenige Kubikmillimeter Platz schaffen, damit der NEM-Schacht sich rund um die Achse etwas drehen kann - und dann braucht man noch eine Feder, die den Kopf immer wieder brav in die Mitte drückt.

iMagnet an NEM-Schacht
Halterung am Drehgestell
NEM-Schacht im Drehgestell

Nun bin ich nicht so geschickt im Bearbeiten von Federstahl. Messingstreifen sind mir auf Dauer zu weich und vergessen im Lauf der Zeit doch manchmal, wo eigentlich die Mitte zu sein hat....... und da hatte ich plötzlich winzige Neodyn-Magnete in den Fingen. wenige Millimeter klein...... so entstand die hier zu sehende Lösung, die ähnlich wohl in jedem Fahrzeug machbar ist. Am wenigsten Platz herrscht dabei in den besagten Drehgestellen - aber voila: Hier ist das TT-Drehgestell mit federnd drehbarer NEM-Aufnahme.

Am Drehgestell wurde der Radsatz herausgenommen und - wie zu sehen - etwas Platz freigefäst . Dabei wurden das im Drehgestell verbliebene Getriebe mit einem kleinen Stück Stoff abgedeckt. Kunststoffspäne würden darin doch stören. Unmittelbar neben das Zahnrad des Radsatzes wurde dann einer der extrem starken Neodyn-Magnete geklebt, die man z.B. bei Ebay im Hunderterpack für wenige Euro ersteigen kann. Auf der Vorderseite des Drehgestells wurde eine Achse mit Hartkleber mittig befestigt. An der NEM-Kupplung wurde ein viertel-Bruchstück eines Magneten eingeklebt. Er ist nur wenige Kubikmillimeter klein, damit der Freiraum für die Drehbewegung nicht zu groß bemessen werden muß. Die Magnete lassen sich mit einer Kneifzange überraschend leicht zerbrechen und auch ein kleiner Magnetsplitter wird von seinem im Drehgestell vorhandenen Gegenstück noch kräftig genug angezogen. Der PeHo-Normschacht wurde an der hinteren Seite noch etwas kleiner gefeilt, dann der winzige Magnetsplitter aufgeklebt. Nachdem der Kleber ausgehärtet ist, steckt man den Schacht auf seine künftige Drehachse und clipst die Bodenplatte wieder ein. Von außen ist die Bastelei fast nicht zu sehen, und wenn der Magnetsplitter wirklich mittig hinter das Loch geklebt wurde, flutscht die Kupplungsaufnahme wunderbar präzise und leichtgängig immer wieder von der Seitenstellung in die Mitte - garantiert verschleißfrei und ohne jegliche Reibung. Nachdem der este Prototyp geschafft war, dauert das Umrüsten einer Lok (inklusive Demontage und wieder-Montage nur noch gut eine Stunde. (oder vielleicht doch eineinhalb?) Wer die Lok auf dem Foto mit dem Original vergleicht, wird feststellen, daß der NEM Schacht etwa einen mm weiter heraussteht als sein ab Werk starr eingeclipster Vorgänger.. Auch wenn damit dann doch nicht mehr wirklich kurz gekuppelt werden kann, nehme ich das in Kauf. Ohne Kulisse vermeidet der leicht erhöhte Abstand wirkungsvoll jede Gefahr einer Überpufferung. Und ich kann nun alle Fahrzeuge mit einer einheitlichen Kupplung ausrüsten.

NEM Schacht im Vorläufer

Das selbe Prinzip lässt sich auch bei Lokomotiven anwenden, bei denen ein Vorläufer für eine Kulisse keinen Platz lässt, die Kupplungsaufnahme also in den Vorläufer wandern muss. Zum Beispiel BR 86 und Verwandte. Hier war allerdings die Laufachse im Weg und deshalb kein Platz für einen Magneten, der den NEM-Schacht in die Mitte zieht. Deshalb sitzen nun seitlich zwei Magnete und drücken einen dritten in die Mitte. Leider zieht der aber doch so stark an der Achse, dass die nicht mehr leicht laufen will. Sie wurde durch eine Achse aus Messing ersetzt. Die ist nicht magnetisch, wird nicht angezogen und läuft daher frei.

Mich fasziniert an dieser Lösung vor allem die mit spürbarer Kraft gepaarte Leichtgängigkeit der Magnetlösung. Und das geringe Maß an Feinmechanik das man dafür letztlich leisten muß. Der eigentliche Knackpunkt ist aber der Knickpunkt: der NEM-Schacht mit dem Loch. Damit steht für mich Folgendes fest: Mit meiner Handfräse, etwas Klebstoff, und den Teilen von PeHo kann ich praktisch jedes TT-Modell so umrüsten, daß es mit einer echten Kurzkupplung betrieben werden kann. Jeder halbwegs talentierte Bastler kann es mindestens ebenso gut.

Der Drehbare NEM-Schacht von PeHo
NEM Schacht in E 44 von Rothe

Das gilt auch für einen bislang nicht erwähnten Typ der Kupplungsaufnahme in TT, den Kuppelkasten. Der wurde (und wird) zum Beispiel an den preußischen Dreiachsern verwendet - und auch an manchen Lokomotiven und Waggons einiger Kleinserienhersteller. Wer den Kuppelkasten kennt und obige Bilder gesehen hat, wird feststellen, daß auch er sich mit einer Achse und drehbarem NEM-Schacht ausrüsten lässt. Auch dabei stehen wieder Feder und Magnete zur Auswahl. Ähnliche Konstruktionen sind wohl recht einfach auch in Serie umsetzbar.

Von der Idee zur Serie

Das folgende Happy -End der Geschichte ist übrigens thypisch für die Spur TT und macht ihren besonderen Reiz aus. Peter Horn, der Hersteller der PeHo Kulisse, las diesen Artikel, rief mich an und fragte, ob er diese 'Erfindung' nachbauen dürfe. Ich hatte keine Bedenken, verzichtete auf jegliche wirtschaftliche Beteiligung. Und wenige Monate später halte ich das professionell konstruierte Serienprodukt in den Händen, das genau die hier beschriebene Lösung für eine Vielzahl von Lokomotiven zu einer kinderleichten Bastelei macht und wenige Cent kostet. Auf der linken Seite ist der Adapter zu sehen - und wie er in wenigen Minuten in eine E44 von Rothe eingebaut werden kann. An der Lok fehlen übrigens noch die extrem filigranen Zurüstteile. Sie ist optisch ein echter Leckerbissen, die unter dem NEM-Schacht zu sehende Schraube ist schon geschwärzt. Der NEM-Adapter ist für viele Loks tauglich, ab sofort bei Peter Horn erhältlich. Ich bin daran finanziell nicht beteiligt und auch PeHo wird sich daran keine goldene Nase verdienen. Aber die TT-Aktiven sind halt nicht nur erfinderisch, sondern auch kooperativ und unternehmerisch.

Nachtrag Ende 2006: Durch meine Tätigkeit als 'Betatester' kann ich nun schon eine Weile meine komplette Anlage mit dem Prototyp betreiben, .... und freue mich, das Tillig diese Kupplung in Nürnberg nun als Neuheit vorgestellt hat. In absehbarer Zeit sollte sie in den Geschäften stehen. Ich wünsche allen TT-Bahnern viel Spaß damit !

Noch ein Wort an alle Modellbahner anderer Spurweiten. Manch einer mag nun denken: neee, bei soviel Problemen rund um die Kupplung ist die Spur TT ja wohl doch nicht das Wahre. Dem halte ich entgegen: Schaut Euch mal in der HO-Szene um. Wie viele verschiedene Kupplungen gibt es dort ? Wie unterschiedlich sind deren Eigenschaften? Wie kompatibel sind die Systeme? Auch in HO- (und erst Recht in N-) Foren wird immer wieder über die jeweilige Kupplung geschimpft, werden vor und Nachteile abgewogen. Und wie heiß es so schön, wer zuletzt (kurz-) kuppelt, kuppelt am besten :-)

Die Lok mit Kurzkupplung, aber noch ohne Zurüstteile


Ebay Referenz: TT 1:120 Tillig Auhagen Rokal BTTB Zeuke TT-Modellbahn