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Zen, oder die Kunst ein Gleis zu verlegen, Teil ZweiNur wenige trauen sich, ein Gleis tatsächlich Schwelle für Schwelle, Profilstück für Profilstück und Kleineisen für Kleineisen selbst zu bauen - egal wie einfach das laut Anbieter auch sein mag. Dieser Bericht handelt von einem, der dies Abenteuer sogar in der kleinen Baugröße TT gewagt hat - und im zweiten Teil nun zu den vielen, vielen Einzelteilen kommt.] Bis zu diesem Punkt war die Arbeit angenehm und wenig zeitaufwendig. Vor uns liegt ein aus Kork gebildeter Oberbau, auf dem bereits Holzschwellen kleben. Nun kommen die Schienen - sollte man meinen. Aber weit gefehlt: erst wird geschottert. Und auch das geht leicht von der Hand. Einfach über die Schwellen streuen und mit den Fingern verteilen. Da noch keine Schienen liegen, kann kein Steinchen an eine falsche Stelle geraten. Was stört, wird mit dem Finger davongfegt. Schneller und leichter geht es nicht! Arbeitszeit: keine Stunde! Das Ergebnis wurde zunächst mit Sprühnebel aus entspanntem Wasser befeuchtet und mit dem üblichen Leim-Wasser-Gemisch getränkt. Und wieder: weil kein Gleis liegt, kann sich der Leim weder als feiner Film auf die Profile legen (und später Konktakprobleme verursachen) noch die Weichenmechanik verkleben. Man kann den Kleber ohne viel Vorsicht über Schwellen und Schotter träufeln. Dabei werden natürlich die Stellen ausgespart, an denen künftig Stellschwellen der Weichen liegen. Die sind übrigens etwas dicker, als die normalen Schwellen, deshalb sollte man hier mit einer kleinen Feile oder Handfräse eine kleine Vertiefung schaffen. Spur halten bei den Profilen.Bis hier ging es sogar schneller als bei Fertiggleis. Aber nun.......... kommt es doch wieder halb so schlimm. Zunächst fixiert man die äußerste Schiene mit wenigen Nägeln in der gewünschten Lage. Nun nimmt man die zum System gehörenden Spurlehren und kann damit die zweite Schiene exakt parallel ausrichten. Dann fixiert man sie. Bei Weichen arbeitet man sich anschließend bis zur innersten Schiene vor.. Die linke Einfahrt war ohne große Mühen mit etwa 40 Nägeln ausreichend befestigt. Aber was heißt eigentlich Nägel! Einen Hammer braucht man nicht. Sie lassen sich mit einer kleinen Zange leicht an die richtigen Position einer Schwelle stecken und dann mit der flachen Seite eines Schraubenziehers in das Korkbrett eindrücken. Bis die Weichenstraße auf diese Weise mit präzisem Spurmaß fixiert ist, gehen aber doch zwei Stunden ins Land. Danach werden die kleinen Kupferdrähte ausgelötet, mit denen die Weiche bei Anlieferung zusammengehalten wird. Solange noch Antriebe fehlen, muß man die Stellzungen mit einer untergelegten Schwelle in der gewünschten Position blockieren. - dann kann die erste Probefahrt starten. Und ehrlich: Es mag an der stundenlangen Beschäftigung mit der Spurlehre liegen oder auch an den schlanken Abzweigewinkeln: ich hatte mit zusammengestecktem Fertiggleis grundsätzlich mehr Probleme als mit diesem Selbstbaugleis. Jeder meiner Züge fuhr, egal ob geschoben oder gezogen, auf Anhieb sauber über die Weichenstraße. Und das, obwohl die Einfahrt zum Bahnhof sogar noch am Ende einer Steigung liegt und diese Steigung erst in der Doppelweiche sanft endet. Aber: Wer die Spurbreite seiner Radsätze bisher nicht mit der Lehre überprüft hat, wird das nun müssen. Weil beide Weichenzungen eine elektrische Einheit bilden, reagieren die Weichen auf zu eng eingestellte Spurkränze mit Kurzschluss. Eine Übung in Zen-MeditationDoch nun die Kehrseite: Damit das Gleis wirklich gut aussieht, muß auf jeder Schwelle ein Kleineisen sitzen. In manchen Bereichen ist vielleicht die Rückseite des Profils nicht einsehbar und man kann sich dort die Arbeit sparen. Bei meinem diagonal über die Platte laufenden Bahnhof mußte ich aber doch fast alle Kleineisen setzen. Also wurden erst einmal einige Dutzend mit der Zange positioniert und anschließend mit dem Schraubenzieher eingedrückt Und dann die nächsten Dutzend, und die nächsten.... zwischendurch mal einen Schluck trinken- und von vorne....Beim Andrücken: kurz vor Erreichen des Endpunktes noch einmal fein positionieren, erst dann ganz fest drücken. Immerhin: Nach den ersten fünfzig Nägeln geht das fast intuitiv. Immer wieder sollte man mit der Spurlehre kontrollieren, ob noch alles sitzt. Vor Allem: die innen liegenden Nägel wirklich tief eindrücken ! - damit selbst ältere, höhere Spurkränze sauber darüber rollen. Aber nicht zu tief, sonst verschwinden sie komplett in der Schelle. Zur Kontrolle, ob die Kleineisen tief genug sitzen, bin ich regelmäßig mit dem Radsatz einer längst z-gestellten BR 86 von BTTB über das Profil gefahren. Insgesamt ist das viel und monotone Arbeit: Am Ende des ersten Bauabschnittes mußte ich nachsehen, ob eine Stunde vergangen war oder doch zehn. Es waren Drei! Man muß Meditationen mögen, um sich die etwa 12 Stunden zuzumuten, die diese Tätigkeit für den Bahnhof Connrath insgesamt dauert. Auf eines sollte man schon bei der Planung unbedingt achten: Das Gleis muß sitzend knapp unter Brusthöhe erreichbar sein, sonst leidet beim Bücken der Rücken. Wer die Nagelei scheut, kann übrigens auch Pertinax-Schwellen bekommen, auf die das Profil gelötet wird. Das geht natürlich viel schneller, doch ohne Holz-Optik wäre die Wirkung wohl nicht einmal halb so gut. Nach dem Fleiß folgt der Preis.Habe ich schon die hervorragenden Fahreigenschaften erwähnt ? Die perfekte Stromabnahme selbst bei Schleichfahrt ? (Es gibt kein isoliertes Herzstück, jedes Rad hat jederzeit Kontakt) Die niedrige Profilhöhe? Das organische Gleisbild ohne Rastermaß? Die sichtbar echten Holz-Schwellen? Natürlich sitzen nicht alle Kleineisen perfekt in Reih und Glied - für eine Neubaustrecke passt das eher nicht. Aber ich denke, die Bilder sprechen für sich.. Korrekturen beim SchotterEin Problem hatte ich dann aber doch noch: der verwendete Schotter schien mir zu bunt und zu grob. Ich hätte fast schon einen der (sicherlich sehr empfehlenswerten) ASOA-Schotter bestellt, doch als mir dann beim Modellbahnhändler der von Noch vertriebene graue, mittelfeine Woodland-Schotter in die Hände fiel, habe ich das bestehende Schotterbett mit einer dünner Lage davon überzogen. Wenn man das übliche Wasser-Weißleim-Gemisch verwendet, wird die Buntheit ebenso wie die Struktur des Schotters etwas verschleiert. Teurer ist der Kleber von ASOA, der bildet dafür aber keinen Film, muß jedoch mehrmals angewendet werden, bevor er wirklich klebt. Ein durchaus ordentlicher Kompromiss ist der Fertigkleber von Noch Im Moment sind die Weichenantriebsattrappen und Seilzüge noch nicht montiert. Wenn man die unter den Schienen hindurchführenden Kanäle von Anfang einsetzt, kann man die restlichen Teile auch nachträglich anbringen. Um sie beim demnächst anstehenden Landschaftsbau nicht zu beschädigen, baue ich alle erhabenen Anlagenteile erst nach dessen Abschluss. Und Abschluss: BrünierungBisher hatte ich Schienen mit Lack angerostet, auf Empfehlung von Table Top nahm ich nun Brünierung, Man bekommt sie zum Beispiel unter dem Namen Pariser Oxid im Goldschmiedebedarf. Es basiert auf Äther und sollte nur in gut gelüfteten Räumen genutzt werden. Dafür trocknet es in wenigen Minuten. Beim Auftrag mit dem Borstenpinsel muß man nicht allzu vorsichtig sein. Anders als Lack färbt Brünierung nur Metall. Auf Schwellen und Schotter macht sie sich nur als leichte bräunliche Verschmutzung bemerkbar, Das verbessert sogar noch die Wirkung.. Nach zwei Durchgängen war die Färbung gleichmäßig und am ehesten als leicht bräunliiches Dunkelgrau zu beschreiben Um doch ein rostiges Rot ins Spiel zu bringen, habe ich etwas rostbraune Farbpigmente (von Conrad) in Reinigungsbenzin gerührt und dann mit dem Pinsel vorsichtig aufgetragen. Die Pigmente färben zwar auch Schwellen, dank extremer Verdünnung aber nur einen Hauch und (bei diesmal etwas vorsichtigerem Auftrag) nur direkt neben den Profilen. Normalerweise haften diese Pigmente auf glatten Flächen übrigens nicht dauerhaft - durch die vorangegangene Brünierung haften sie schon besser. Wirklich fest - und auch farblich extrem realistisch - wird die Wirkung, wenn man ganz zum Schluß noch einmal Brünierung über die Schienen streicht. Anschließend wurden die Profilköpfe mit dem Roco-Rubber blankgeschrubbt. Insgesamt ging das einfacher als frühere Lackierungen. Auch das Tillig-Gleis würde ich künftig brünieren. Hier hat übrigens Tillig die Nase vorn: Wer dessen Bausatzgleis kauft, erhält gegen geringen Aufpreis auch vorbrüniertes Gleis Alterung und FazitMittelbraune Holzbeize, leicht verdünnt, gab dem ganzen noch einen schmuddeligen Look, nicht nur der Schotter, auch die Schwellen und der Rost an den Schienen wurde damit noch einmal (nicht ganz) gleichmäßig überstrichen. - und das wars dann. Mein Fazit: Die Mühe des Selbstbaus lohnt sich - zumindest für geduldige Menschen und im sichtbaren Teil. Trotz der monotonen Nagelei hält sich der Gesamtaufwand doch in vertretbaren Grenzen. Und der optische Eindruck ist allein schon durch die Weichengeometrien und Holzschwellen ein bißchen Mehraufwand wert Mittlerweile steht auch schon das Bahnhofsgebäude - dessen Bau ist auf der nächsten Seite dokumentiert.Auch die Weichenantriebe und Seilzüge sind größtenteils vorhanden, aber bis ich mal wieders zum Fotografieren und texten komme, da wird es sicherlich Herbst.
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